Tätertherapie/Täterberatung ist eine Leistung des Landratsamtes Ostalb. Sie wurde insbesondere auf Wunsch und Initiative

  • des Jugendamtes Ostalbkreis,
  • der Fachstelle des Landratsamtes „Beratung bei häuslicher Gewalt/Platzverweis“,
  • von Opferberatungsstellen wie „Frauen helfen Frauen“,
  • der Erziehungs- und Familienberatungsstelle im Landratsamt,
  • der Staatsanwaltschaft Ellwangen und
  • der Kriminalpolizei

im Jahr 2002 konzipiert und etabliert. Einmal wöchentlich finden seither Beratungs- und Therapiegespräche im Landratsamt Aalen statt.

Die Mitarbeiterinnen verschiedener Opferberatungsstellen suchten damals dringend eine Anlaufstelle für Täter, mit denen sie durch ihre Klientinnen direkt oder indirekt in Kontakt gekommen waren. Die Staatsanwaltschaft kam auf unser Institut zu mit der Bitte, ein therapeutisches Angebot für Täter häuslicher Gewalt zu entwickeln. Nach mindestens 7 Therapiegesprächen als Auflage wäre es dann bei minderschweren Fällen möglich, ein Verfahren einzustellen. Die Erziehungs- und Familienberatungsstelle, die sich bei sexuellem Missbrauch um die Opfer kümmert, wollte aber die Täter – seien es Väter und andere Verwandte/Bekannte und besonders Jugendliche – nicht ohne ein Beratungs- und Therapieangebot lassen. Und nicht zuletzt der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamtes und die Jugendgerichtshilfe brauchten in akuten Fällen eine Kooperationsstelle im Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes und der gerichtlichen Unterstützung von straffälligen Jugendlichen.

Neben den notwendigen psychotherapeutischen Angeboten für Opfer sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt, stellt sich die Tätertherapie kontexterweiternd und ergänzend dar. Tätertherapie erschöpft sich nicht nur in der psychotherapeutischen Aufarbeitung straffälligen Verhaltens, sondern sie verfolgt ausdrücklich einen präventiven Ansatz, um schon im Vorfeld einer Straftat dieselbe zu verhindern.

Der Förderverein Gewaltprävention e.V. unterstützt die Täterarbeit ideell und finanziell über Bußgeldzuweisungen der Justizbehörden und der Hilfsvereine Aalen und Schwäbisch Gmünd, über Mitgliedsbeiträge und über Spenden. Nur so kann die Täterarbeit im nachstehend dargestellten Umfang kontinuierlich fortgeführt werden.

Beratung und Psychotherapie basieren auf der systemischen Theorie. Dieser methodische Ansatz wird erweitert und ergänzt durch speziell auf die jeweilige Klientel – Sexualdelikte, Gewalt im öffentlichen Raum (z.B. Straßengewalt) und privaten Raum (z.B. häusliche Gewalt) – zugeschnittene und erprobte Therapieansätze und Therapiemanuale, die sowohl verhaltenstherapeutisch als auch tiefenpsychologisch bzw. psychoanalytisch orientiert sind.

Außer Beratung und Therapie bietet SYSTEGRA als psychotherapeutische Fachstelle im Kontext sexuelle Gewalt Supervision, Coaching und Weiterbildung an. Angesprochen sind hier Fachkräfte im pädagogischen, sozialen und therapeutischen Bereich; Themen sind sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch, die Täter-Opfer-Dynamik in Inzestfamilien und sexuelle Übergriffe in Jugendhilfeeinrichtungen.

Die Dokumentation der Täterarbeit wird jährlich fortgeschrieben. Mit den folgenden Statistiken und grafischen Darstellungen wollen wir einen Überblick über die Entwicklung und den Stand von Beratung und Therapie geben.

 

Anzahl der Klienten 2004 bis 2020

 

Die Anzahl der Klienten hängt von der Art der Therapie ab. Kurze Therapien sowie Therapieabbrüche erhöhen naturgemäß die Anzahl, längere und intensivere – beispielsweise wöchentliche Behandlungen von Jugendlichen – verringern sie.

 

Anlass / Delikte 2019 und 2020

 

Altersaufteilung - Erwachsene - junge Erwachsene - Jugendliche 2019 und 2020

 

Zuweisungskontext 2019

 

Zuweisungskontext 2020

 

 Aufteilung der Delikte in Gewalt und Sexualität 2019 und 2020

 Aus dieser Grafik werden noch einmal die beiden Strukturmerkmale der Tätertherapie deutlich.